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lautlos ist lauter als gedacht!
Bubbles
Es soll ein ganz normaler Fernsehabend werden. Einfach gemeinsam einen Film schauen und sich
nicht um sich und den Rest der Welt kümmern. Aber auch der Filmklassiker hält die Gedanken der
sechs jungen Menschen nicht davon ab, immer wieder abzuschweifen, wegzufliegen. Wie Ballons
oder Bubbles. Sie sehen zwar schön aus, doch drohen jeden Moment zu platzen. Es ist ein Filmeabend
(mit Werbeunterbrechung) voller Zukunftssehnsüchte, Angst vor und zugleich der Wunsch nach Nähe
und Geborgenheit, ein Abend voller Sorge vor der Passivität, dem Handeln und nicht Handeln können,
ein Abend voller Musik und Angst vor dem Kontrollverlust, ein Abend voller Überheblichkeit und ein
Abend voller Vertrauen.
Bubbles
darsteller:innen
Nina Schickling Sarah Eilers
Maya Ehlert Puya Liotta
Maxi Rosseaux Giulietta Winkler
premiere
Landungsbrücken Frankfurt
25. Februar 2026
projekt
Ein Projekt des theater et zetera in
Koopertaion mit Landungsbrücken
Frankfurt
lautlos ist lauter als gedacht
Lautlos ist lauter als gedacht. Ich habe aufgehört zu schreien. Nicht,
weil es nicht mehr zu sagen gäbe, sondern weil es nichts ändert.
Garnichts. Es ist schwer zu erklären, wie es ist, zu wissen, dass du
alles sagst, und es prallt ab wie Wasser an Stahl. Wie die Wahrheit
allein niemanden dazu bringt, etwas zu ändern. Und irgendwann
merkst du: Es geht nicht darum, gehört zu werden. Es geht nur
darum, zu überleben, in einer Welt, in der jeder sich selbst liebt und
alles andere ausblendet. Manchmal denke ich, es ist alles sinnlos.
Wirklich. Ich meine schau dich um. Wir leben auf einem kleinen
rotierenden Stein in einem Meer aus Milliarden Sternen. Wir wissen
nicht, woher wir kommen, wohin wir gehen, oder ob überhaupt
irgendwer zuhört. Wir klammern uns an Meinungen, an Konsum, an
Besitz, weil wir sonst spüren müssten, wie winzig wir sind. Und ich –
ich spüre das zu oft. Ich spüre, wie groß alles ist. Und wie klein ich
bin. Dann werde ich still Nicht aus Schwäche. Sondern, weil der
Lärm der Welt zu laut ist für die Fragen, die wirklich zählen. Ich
schweige, weil mein Schweigen lauter ist als alles, was ich sagen
könnte. In meinem Kopf schreit es. In jeder Nacht, in jedem
Moment, wenn ich die Augen schließe und die Welt sehe: die
Gewalt, die Ignoranz, die Lügen, die Heuchelei. Vielleicht, weil wir
das Falsche laut machen. Vielleicht, weil das Wichtige lautlos bleibt.
Ich schweige nicht, weil ich aufgegeben habe. Ich schweige, weil
Worte nichts mehr bedeuten, wenn sie nicht getragen werden von
Taten. Ich habe erklärt, gezeigt, geteilt – und sie hören nicht. Also
rede ich nicht mehr. Ich handle. Leise, nach meinen Prinzipien.
Nicht aus Trotz, sondern aus Klarheit. „Lautlos ist lauter als
gedacht.“ Denn auch wenn ich still bin – ich höre alles. Ich fühle
alles. Und vielleicht ist das genug, um nicht völlig taub zu werden in
einer Welt, die nichts mehr hören will.
die prinzessin hat eine glatze
Der Nacken schmerzt, der Kopf hängt nach vorne. Wasser auf
meinem Nacken, läuft meinen Rücken hinunter. Meine Füße stehen
unsicher, der Duschboden ist rutschig. Das Wasser ist warm an
meinem Nacken. Der Boden ist kalt. Zu groß für die Dusche, eine
spindeldürre Kreatur hängt unter dem laufenden Wasser. Nasse
Haarsträhnen hängen vom Kopf. Dünne Fäden. Jeden Moment
können sie fallen. Nicht anfassen, bloß nicht anfassen. Ich sehe sie
auseinanderfallen. Es knackst. Mein Rücken knackst. Meine Brust.
Unbeweglich. Steif. Wie ein Ast. Ein eigerostetes Scharnier. Runder
Rücken. Die Wirbelsäule tritt hervor. Spitz. Der Glöckner von Notre
Dame. Seife auf meiner Haut, meine Hand reibt, wieder und wieder,
über den Arm, die Beine, die Brust. Dreck. Überall. Nicht bewegen.
Lose Körperteile, zusammengehalten durch Klebeband. Es weicht
durch. Mein Körper fällt auseinander. Einzelne Gliedmaßen, sie
hängen unbeholfen. Haare sind überall. Lange, nasse Strähnen, sie
sind überall, an meinen Füßen, meinen Armen, in meinen Augen,
meinem Mund. Dreckig. Eklig. Ich muss raus. Keine Luft. Haare im
Mund. Ein Würgereiz. Zu viele Haare. Ich werde nie sauber sein.
Erbärmlich, dieser Körper, dieses Gesicht. Fremd, unmenschlich.
Wer ist das? Was bin ich? Es soll weg, diese Kreatur. Aus meinem
Körper. In mir. Parasit. Aus der Haut fahren. Raus. Ich möchte
geradestehen. Meinen Körper fühlen. Seine Schönheit. Ich spüre
jeden Muskel, jeder ist an seinem Platz, jeden kann ich kontrollieren,
bewegen. Ich spüre, wie meine Augen aussehen, meine Lippen,
meine Wangen, meine Nase, meine Haare, spüre, dass sie schön
sind. Ich muss nicht in den Spiegel sehen. Mein Körper weiß, wie er
steht. Meine Schultern sind weich, meine Hüfte hält mich, meine
Beine stehen fest. Jede Bewegung mühelos. Ich fliege ein bisschen.
Bei jedem Schritt. Alles passt. Passt zusammen. Ergänzt sich. Ich bin
eine Einheit. Mein Körper, mein Kopf gehören mir. Ich spüre meine
Organe. Luft in meiner Lunge, mein Herz pocht gleichmäßig. Die
Welt ist nicht zu klein. Ich verschmelze mit ihr, wenn ich stehe, wenn
ich sitze, wenn ich liege. Ich vertraue meinem Körper. Alles passt
zusammen. Vollständig.
ich weiß!
„Ich weiß“, sage ich. Da sitzen wir wieder. Und du fragst mich wieder,
was ich heute gemacht habe. Und ich bin wieder den Tränen nahe,
weil die Antwort nicht die ist, die du hören willst. Die ganze Zeit hat
es dich nicht interessiert und jetzt ist es deine neue Obsession mich
auszufragen? Mich die ganze Zeit zu fragen – fragen und zu
stressen. Stressen mit der Frage, wie weit ich denn schon bin. Wenn
ich dir sagen würde, ich habe noch nicht mal angefangen, würdest
du mich wieder mit diesem Blick ansehen. Dieser traurige Blick, der
mir das Herz bricht. Du verstehst mich nicht. Du verstehst mein
Problem nicht, willst es aber für mich lösen. Du kannst aber nicht.
Dir sind die Hände gebunden. Es ist schon schlimm genug, dass ich
mich wie ein Versager fühle, aber bitte zwing mich nicht, auch noch
dein Herz zu brechen, indem ich dir die Wahrheit sage. Früher
konntest du stolz auf mich sein, glaube ich. Vielleicht gehen wir
einfach dahin zurück? Du sagst mir Dinge, die weiß ich schon
längst. Glaubst du ich begreife den Ernst der Lage nicht? Ich will
aber nicht, dass du ihn begreifst! Denn dann würdest du realisieren,
dass du mir nicht helfen kannst. Ich soll früher aufstehen und
einfach mal anfangen. Ich weiß! Denkst du echt ich schon gelöst.
Bin ich so blöd? Ich kann es ja nicht. Ich bin zu schwach, zu
undiszipliniert, zu blöd oder einfach faul. Ich will nicht, dass du das
von mir denkst. Also wenn du wieder fragst, sage ich nichts. Weil ich
weiß, dass du es nicht verstehen kannst. Schau mich bitte nicht so
traurig an. Ich weiß.
mein frühjahr ohne frühling
Wenn ich mal wieder ohne einen guten Ausblick vor dieser
Klassenzimmertür stehe, und ich meine den Ausblick in die Zukunft,
nicht auf eine Landschaft oder ähnliches; dann erkläre ich mir
selbst meine folgenden Schritte, folgendermaßen:
1.Dominanz bewahren. Es ist möglich trotz seinem unterlegenen
Emotionalen Zustand, und damit meine ich eine wirkliche tiefe
Kluft, die sich in deinem Herzen aufgetan hat; absolute
Überlegenheit zu bewahren. Realisiere dir das!
2.Es muss nun eine bestimmte Art Mimik, Gestik, Kommunikation
geben, die jene bestehende Überlegenheit ausdrückt. Wie werde
ich an diese Tür anklopfen? Ganz simpel: Besser als es jemals getan
wurde... Wie werde ich ihnen "guten Tag" wünschen? So dass sie
Wissen, dieser hier, wird ihr bester Tag jemals.
3.Verdränge jegliche Störfaktoren, der dieses eingespielte
Tänzchen, oft geprobt, oft aufgeführt, behindern könnte. "Negative"
Gedanken wie, wie soll ich leben, möchte ich weiter existieren,
sollten gnadenlos ignoriert werden. Sie sind dir selbst nicht
angemessen.
4."Schon wieder zu spät" Ach Gott, störe nicht. Gehe zu deinem
Platz, ohne sich etwas anmerken zu lassen. Jetzt begrüße deine
zahlreichen Freunde. "Kannst du mal mit mir reden" nein, kann ich
nicht; Störfaktor; "Nein, das möchte ich nicht." Erbärmlichkeit
abgewendet... "Habe ich das wirklich nötig?", frage ich die Lehrerin,
oder wen eigentlich?
fass mich an!
"Fass mich an! Also nein, nein fass mich nicht an. Fass mich nur an,
damit es bitte aufhört. Damit du aufhörst. Aber wie soll ich dir das
sagen? Es geht ja nicht. Ich stecke schon wieder in dieser Situation
fest! "Nein" hat 4 Buchstaben... bloß vier aber irgendwie ist es
trotzdem zu lang. Vielleicht würde ich ein "nnnn" herausbekommen,
aber würde er das überhaupt hören oder ist er schon zu sehr in
seiner Welt? Würde er das überhaupt hören wollen? Aber wenn du
jemanden liebst, dann ist dir doch die Meinung und das
Wohlbefinden der Person wichtig. Das heißt, wenn ich etwas sagen
würde, dann würde er aufhören, oder? Oder? Die Bettdecke ist
weich, gemütlich. Die Streifen sind lustig. Ich glaube ich könnte mich
hier gut einkuscheln... Hmm einfach liegen und schlafen... aber
stattdessen fasst er mich ja an! Ja, meine Güte, mach es doch
schneller oder bitte gar nicht, weil eigentlich will ich das ja
überhaupt nicht. Also vielleicht schon, aber nicht jetzt, nicht so. Aber
wie denn? Ja, irgendwie, wie ich es halt will... wie ich es auch wollen
will. Aber wie soll ich ihm das sagen? Was, wenn er es nicht hören
will? Wenn er lieber ein Ja als die Wahrheit hören will? Will ich lieber
ein Ja als die Konsequenzen meines Neins? Bin ich irgendwie auch
so? Aber ich passe doch immer so auf. Oje, wir müssen dringend
mehr reden! Bin ich eigentlich liebenswert oder ist es nur mein
Körper? Aber mein Körper ist irgendwie kaputt... genau wie meine
Seele. Die Seele, die eigentlich mit so viel Liebe behandelt werden
sollte. Aber tut er das? Tue ich das? Naja, ich nehme mich wahr und
meine Empfindungen ernst. Ich müsste ihm das aber sagen oder so.
Aber "Nein" ist so schwer irgendwie. Ich möchte ein bisschen, dass
er auch meine Seele umarmt. Oje, es geht weiter. Soll ich auch was
machen? Wohin mit meinem Händen? Fuck. Was tue ich hier
überhaupt? Macht es was kaputt, wenn ich etwas sage? Wenn ich
nichts sage? Naja, ... also bei mir ja auf jedenfalls. Ja, ich sollte was
sagen... Jetzt!