Wer nicht mitmacht ist
Außenseiter
Wetterauer Zeitung vom 14. Mai 2019
Es ist nicht leicht, erwachsen zu werden. Teenager sein schon gar nicht.
Damit beschäftigt sich die 25. Jugendtheater-Produktion des theater et
zetera.
Diejenigen um die es geht, stehen im Mittelpunkt und als Protagonisten
auf der Bühne. Regisseur Georg Bachmann hatte am Wochenende ins
Rodheimer Bürgerhaus eingeladen. 13 Schülerinnen und Schüler von 14
bis 17 Jahren zeigten dort ihr Stück ‚HerzSchwärmer‘, eine kreative
Eigenproduktion, in der es um die Probleme Heranwachsender sowohl
untereinander als auch im Bezug auf die Erwachsenenwelt geht.
Seit Juni 2018 hatte sich der schauspielerische Nachwuchs mit einem
schwierigen Thema auseinandergesetzt, bei dem die innere Zerrissenheit,
die Selbstfindung und der Wunsch nach wahrer Freundschaft im Zentrum
standen. Bauklötze- oder Versteck-Spielen war gestern - aber was kommt
nun? Kann ich den Erwartungen der Erwachsenen noch gerecht werden,
oder muss ich in der Gruppe Gleichaltriger meinen Platz finden - aber wo
wird der sein? Wie viel Ehrlichkeit steckt hinter dem
Freundschaftsangebot jener, mit denen ich meine Freizeit verbringe, und
wie weit muss ich mich der Gruppe anpassen, wenn ich nicht auf der
Strecke bleiben will.
Schwäche der Starken
Es ging um Freundschaft, die erste Liebe und die unausbleiblichen
Rückschläge, wenn aus dem unbeschwerten Kind ein junger Erwachsener
wird. Die Jugendlichen brachten
in bemerkenswerter Deutlichkeit die Problematik auf die Bühne und
beeindruckten mit rundum schauspielerischem Talent, das es an Dynamik
nicht fehlen lies. Ob gesanglich, tänzerisch oder mit einer eigenen Mimik
und Körpersprache - hier war der Wunsch nach Ausdrucksstärke
unverkennbar und in Szene gesetzt. „Wenn man nicht mitmacht, ist
man Außenseiter“, lautete eine der Aussagen, aber auch andere
Erkenntnisse kamen zu Tage. „Die Schwäche der Starken ist die Stärke
der Schwachen.“ Die Frage, was ein junger Mensch tun sollte, um von
allen begehrt zu werden, wurde überdeckt von der Frage: „Muss ich das
alles überhaupt mitmachen, oder darf ich Ich selber sein?“
Bachmann versteht es, solche und mehr Fragen zusammen mit den
Jugendlichen zu bearbeiten und in die Öffentlichkeit zu bringen. Kritisch
bringen die Schauspieler Dinge auf den Punkt, regen zum Nachdenken an
und öffnen den Blick zum Unterscheiden von Wesentlichem und
Unwichtigem.
Von Edelgard Halaczinsky
theater et zetera
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